Boarisch

Sproch im Siidostn vom deitschn Sprochraum
Der Artikl is im Dialekt Bayern-Boarisch gschriem worn.


Boarisch bzw. Bairisch is a Sproch im Siidostn vom deitschn Sprochraum. Zamma midm Alemannischn, Sidfränkischn und Ostfränkischn buidns de obadeitschn Sprochn. Es Vabroadungsgebiet vom Boarischn is da oidboarische Tei vom Freistoot Bayern, es aissaste Sidvogdland in Saxn, Östareich (estli vom Arlberg), Sidtirol und de zimbrisch-karnischn Sprochinsln in Obaitalien. Meara wia de Hejft vo de Boarischn Muaddasprochla wohna aussahoib vom heitign Freistoot Bayern (Boarn).

Boarisch
Gredt inFreistaat Bayern, Östareich, Italien, Tschechei, Ungarn, Rumänien, Schweiz, USA, Kanada, Australien, Neiseeland, Brasilien, Venezuela, Chile
Gredt voeppan 13 Milliona
Klassifikation
  • Boarisch
Offiziella Status
Amtssproch--
Sprochcode
ISO 639-1--
ISO 639-2gem (sunstige german. Sprochn)
ISO 639-3bar
Boarischa Sprochraum
Boarisch-mit-Flaggn.png

Haptsprochgebiet

Schaug unta: Portal:Boarisch – fia Informationa iwa d Boarische Kuitua.

Da Nama Boarn bzw. Baiern

Etymologie

Fria hod ma gmoand doss da boarische bzw. bajuwarische Nama vo da kejtisch-germanischn heakimmt. De Bezoachnung baio-wariōz bedeit sovui wia de Weahhoftn Mauna vo de Baiern . S Grundwort "war" existiat heit nua no ois Voadagliad in da Zammasetzung Werwolf und Wergeld. Des is a oide aus indogermanischa Zeid stommande Bezoachnung fia Mo (vagleich z. B. lateinisch vir oda s isländische Suffix -verji wia in Bæverji, Baier).

Fria hod ma gsogd, de Baiern waradn de Fuaßkraungn vo da Vejkawaundarung. Denn de Baiern san ned gwaundat. Wos owa anhaund vo de Bodnfund ned richti is. De Bairische Ethnogenese hod se zeascht netta im Laund zwischn de Fliss Lech und Traun ogschpuid.

Easchtmolig wean de Baiern vom Jordanes im Joahr 551 in seina Gotngschicht eawähnt. Do bschreibd ea an Kaumpf vo an Gotnschtaumm untam Kini Theodemir mid de Suebn (Donausuebn de aus Panonien za de Alemannen gflohn san). Des soid se im Winta 469/470 ogschpuid hom. Da Kini Theodemir hod de Gotn iwa an zuagfroana Fluss in Ruckkn vo de Suebn gfiad und so gschlong. ...Nam regio illa Suavorum ab oriente Baioras habet, ab occidente Francos, a meridie Burgundiones, a septemtrione Thuringos; quibus Suavis tunc iuncti adherant Alamanni... Des Gebiet vo de Suebn hod im Ostn de Baiern, im Westn de Frankn, im Sidn de Burgunda, im Noadn de Thüringa. De Suebn haum se domois de Alemannen augschlossn..

Boarisch, Bairisch und Bayern

Boarisch bzw. bairisch wean fias Sprochgebiet vawendt. Bayerisch und Bayrisch beziang se dageng afs politische Territorium vom Freistoot Bayern. De Untascheidung is notwendi, wei in Bayern außa da boarischn Sproch (in Oidbayern) aa no fränkisch und schwäbisch-alemannisch gredt wead. S boarische Sprochgebiet liegt – vo Sprochinsln obgseng – in Bayern, Östareich und Sidtiroi. De historische Schreibweis Baiern fias bayerische Stootsgebiet is im 19. Joarhundat duach an Kini Ludwig I. duach de Schreibweis Bayern, oisdonn mid y, dasetzt worn.[1]

Boarischa Sprochraum

Mid mea wia 12 Milliona Sprechan buidt's Boarische s gresste zammahängande Sprochgebiet innahoib vo de deitschn Sprochn. Da boarische Sprochraum hod um de 150.000 km².[1] Zum Boarischn Sprochraum ghean de foigndn Gebiete:

Im Niamberga Raum is a fränkisch-boarischa Iwagongsdialekt behoamat, wo zwoa iwawiagend ostfränkische Meakmoi afwoast, owa bsundas im Woatschotz stoake boarische Eifliss dakenna losst.

Dialektregiona

S Boarische ko ohand vo sprochliche Meakmoi in drei Groußraim eihteit wern: Noad-, Middl- und Siidboarisch. Zwischn dena Bereichn san jeweis Iwagangsraime, de wo Noadmiddlboarisch und Sidmiddlboarisch gnennd wean.

Noadboarisch

Noadboarisch is oane vo de drei Haptgruppm (Noadboarisch, Middlboarisch, Siidboarisch), in de wo de Boarische Sproch sprochwissnschaftli eihteit wead. Noadboarisch wead heitzatog im gräistn Deu vo da Owapfoiz gredt.

Im Siidostn (in da sidestlichn Owoapfoiz und im neadlichn Nidabayern) ab Rengschbuag zwischan Reng und da Doana owezua bis duif in boarischn Woid eine wiad a Mischfoam des Noadmiddlboarische gsprocha.

In sidestlichn Eck vo Middlfrankn, in middlestlichn Eck vo Obafrankn, im aissastn Noadn vo Obabayern und z aissaste Sidvogdland (Saxn).

Middlboarisch

Middlboarisch wead z Niedabayern, Obabayern, im Sidn vo da Obapfoiz (Noadmidlboarisch), im neadlichn Soizburga Land (Flochgau und Tennengau), z Owaestareich, Nidaestareich, im neadlichn Burgnland und z Wean gredt. Es hod an groußn Eihfluss af seine Schwestadialekte im Noadn und Sidn.

Siidboarisch

Siidboarisch wead im Werdnfejsa Land, z Noad- Ost- und Sidtiroi, Karntn, in Tein vo da Steiamoak (voa oim in da Weststeiamoak) und in de deitschn Sprochinsln z Karnien gredt. Fost de gonze Steiamoak, de Soizburga Oipngaue und s Tirola Untaland ghean zum Iwagongsgebiet zwischn Middl- und Siidboarisch. Aa s Zarzarische und s Göttscheabarische san siidboarisch. A bsondare Variantn is des Zimbrische. Es hod si scho in oidhochdeitscha Zeid obgsondat und wead heit no in obaitalienischn Sprochinseln vo de Zimbarn gredd.

Weidane Gliedarung

Nem dena historischn "Isoglossn" ko s Boarische aa no in weidane Dialekte untagliedat wern. A Bsundaheit is Weanarische, owa aa s Mingarische. In Östareich gibts u. a. no s Hianzische im Burgenland, de steirischn Mundoartn, Karntnarisch und de Tirolarischn Mundoartn. A sea oagna Dialekt in Owaösterreich is de Mundoart vom Soizkammaguat und in Niedabayern s Waidlarische. Dazua kema s Zimbrische (Owaitalien), s Göttscheabarische (Slowenien) und s Egerdeitsche (Behmen).

Phonologie

Vokai

As Boarische untascheidt lange und kuaze Vokai. Wia im Standarddeitschn wead des duach de Ozoi vo de nochfoigadn Konsonantn zum Ausdruck brocht. Stäht nua oa oda goa koa Konsonant nochm Vokaj, dann is dea in da Regl lang; wann zwoa oda mehrane Konsonantn foign dann is a kuaz.

Im Boarischn san siem Vokaj untascheidboa.

Vokajlanga Vokajstandarddeitschkuaza Vokajstandarddeitsch
dunkls awoswasWossaWasser
hejs aDramTraumdrammaträumen
helles ees, Hendlihr, Huhnwegga(d), dreggadweg, dreckig
dunkles eBädaPeterbädt!bete!
igwiisgewisswissnwissen
oOfa/OfnOfenoffa/offnoffen
uZugZugzruggzurück

Dungls vs. middlas vs. hejs a

Phonologisch untascheidn de boarischnn Dialekt zwischn bis zu drei a-Qualitetn. Des hoasst, es wead teiweis zwischn hejm a (à), middlan a (a) und dungln a (o/å) untaschiedn. Des helle a (à) kimmt ausm Middlhochdeitschn ä, bzw. vo de Diphthongen ou/öu, im Weanarischn aa ausm Diphthong ei. So hoassts im Boarischn laa (lààr) im Vagleich zu standarddeitsch leer, ausm mhd. lære, i glaab (i glààb) im Vagleich zu ich glaube, aus ich g(e)loube, wean. haaß (hààß) im Vergleich zu hoaß und heiß, ois aum mhd. heiz. De Vatretung fian middlhochdeitschn a-Laut is dagegn fia gwähnli a „vadunklts“, des wo scho ins o iwageht. So wead aus middelhochdeitsch wazzer, hase, wâr beispuisweis Wossa (Wåsser), Hos (Håås), woa (wåår) im Vagleich zu standarddeitsch Wasser, Hase und wahr. Regional ko s a zu Variationa zwischn dunklem und middlan a gebm (schaug mia homma/mia håmma/mia hamma). Vor oim bei da Diminutivbuidung mitn Suffixen -l und -al tritt Umlaut ein, d. h. aus dunklem a (o/å) wead helles a (à).[2]

Aussproch vo Ortsnama

In fost oin boarischen Ortsnama, de wo af -ing endn, muass a ggf. im Stamm vorhandans -a- hej ausgsprocha wean; oiso „Plattling (Plàttling)“ (und ned „Plottling oda Plåttling“) und „Gaching (Gàching)“ (stott *„Gorching oda Gårching“), aa „Gamisch (Gàmisch)“ (stott „Gormisch oda Gårmisch“) und „Granz (Gràz)“ (ned „Groz oda Gråz“ – de Stod hod im Middloida „Grätz“ ghoassn, und daraus hod si s helle a entwicket). Ausnahma san owa manche Ortsnama mit -all- wia „Boing (Bålling/Båing)“ (Palling) oda „Dolling (Dålling)“ (Thalling).

o vs. o

S helle a (à) wead im Boarischen gwehnlich ois a wiedagem, s dunkle a (å) dagegn moastns ois o, (oiso mocha statt måcha). Es liegt fia deitsch Ohrn a näha am o. Das des zum Zammafoi mitn gschlossanan o fiaht, wo im Boarischn moastns nah am ou liegt, wead vo Kritikern gern ois Oloss gnumma, de Eifiahrung vo – vom Deitschn divergiaradn – Sondazoachn in da boarischn Schreibweis z begrindn. Es is owa so, dass aa im Stadarddeitschn, im Englischn sowia in andan indogermanischn Sprochn de gsprochan Vokai efta ned mit de gschrieban iwaeistimma.

Gschlossans vs. offans e

Fost jeds betonte kurze e is im Boarischen gschlossa (im Gegnsotz zum Deitschen: do sans olle offa). Es gibt nur wenige Wärta mit an kurznm offanen e (è); a guads Beispui dafia: Bettn („Bett“, mit gschlossan e) vs. betn (bètn) („Gebet“, mit offan è).Im Standarddeitschn is in dem Beispui genau andasrum: s Wort „Bett“ hod a offans (wei kurzes), s Wort „beten“ a gschlossans (wei langs) e.

Unbetonts i bzw. e

Nebm am unbetontn a gibts aa an weidan unbetontn Vokal im Boarischen, dea wo zwischn i und e steht, und je noch Dialekt offena (Richtung e) oda gschlossena (Richtung i) gsprocha wead. Er is moastns aus da Nebmsuibm -el entstanda, z. B. in Weatan wia grabbin oda Deifi.

Schwa-Laut

In de moastn Boarischen Dialekte hod da Schwa-Laut, dea wo am unbetontn e im Standarddeitschn entspricht, koan Phonemstatus. Regional tritt a in bestimmten Positiona ois Allophon zua unbetontn a und i af.

Diphthong

A weindans Merkmoi vom modeana Boarischn is de Beibehoidung vo de middlhochboarischn Diphthong ie, üe, uo ois ia und ua, wia in liab, griassn, Bruada („liab, grüßen, Bruder“).

Dazua keman de neichn Diphthong ej (ei, äi), öi, oi, ui, de wo aus da Vokalisarung vo l noch Vokal zu i entstanda san:

DiphthongBeispuistandarddeitschDiphthongBeispuistandarddeitsch
eai heaich höreeineineu
oai woaßich weißoi (oi)foin (foin)fallen
iad Liabdie Liebeej, ej, öischnej, schnej, schnöischnell
uai duaich tueuii fuiich fühle
aui schauich schaueouDoudTod

oids vs. jungs ei

A bsundas Merkmoi vom Boarischn is da Vokal oa (im Weanarischn aa ausgsprocha), dea wo ausm middlhochdeitschn ei entstanda is. Dea Lautwandl betrifft owa nurs sogennnte ejtare ei vom Deitschen, ned owa s jingare ei, des wo eascht im Zug vo da neihochdeitschn Diphthongiarung ausm middlhochdeitschn langan i (î) entstanda is, und daher an Lautwandl ned mehr mitgmocht hod. Deshoib hoassts af Boarisch hoid „oans, zwoa, drei“ (oans und zwoa hom a ejtas ei ois Stammvokal, drei a jingas ei, des wo af Middlhochdeitsch no drî ghoassn hod.

Olladings gibts im Boarischn no dritts, no jigas ei, des wo durch de Entrundung vom Diphthong nhd. eu, äu entstanda is, dea wo vom Langvokal mhd. iu, bzw. mhd. öu obstammt. (De Entrundung hod owa in de moastn Tirola Mundoatn ned stottgfundn.)

Lautmiddlhochdeitschboarischneihochdeitschenglisch
oids eieioa, z. B. gloa, Goaß, Stoa, Loab, hoaznei, z. B. klein, Geiß, Stein, Laib, heizensmall, goat, stone, loaf, heat
middlas eiîei, z. B. weiß, dreim, reitn, Leiwiei, z. B. weiß, treiben, reiten, Leibwhite, drive, ride, life
jungs eiiuei, z. B. nei/neig/neich, deia, Deifi, Greiz, Hei/Heingeu, z. B. neu, teuer, Teufel, Kreuz, Heunew, dear, devil, cross, hay

Omerkunga

Um aussazfindn, wos fia a deitsches ei im Boarischen zu oa wead, und wos fia oans ned, huift moastns a Blick afs Englische. Im Englischn entspricht s ejtare ei moast am o oda ea, s jingare is dagegn a i und wead ähnli ausgesprocha wia im Boarischn.

Geistliche Weata

Es gibt owa Ausnahma vo da Lautwandlregl ei > oa, de wo vor oim Weata betreffa, de wo durch ian Brauch im vom Godsdeanst in iara oidn Gstoit bewoart worn san; dabei handeltsa si um Geist, Fleisch, heilig und en Monatsnam Mai, de wo normalaweis Goast, Floasch, hoalig, und Moa hoassn miassadn, owa so im Boarischn extrem sejtn sand.

Konsonantn

S boarische Konsonantnsystem umfosst uma 20 Phoneme, wo owa da Status teiweise umstrittn is:

Konsonantn vom Boarischn
 bilabiallabio-
dental
alveolarpost-
alveolar
palatalvelarglottal
Plosiveb p d t  g kʔ
Affrikatnpf ts (kx) 
Nasalem n  ŋ 
Vibrantn  r    
Frikative f vs (z)ʃ(ç)(x)h
Approximantn    j1  
Laterale  l    

Dabei is da Laut j a Hoibvokal. Einklammate Konsonantn san Allophone vo andan Konsonantn; de vatein se wia foigt:

  • h tritt nur im Olaut af, seine Allophone x und ç dagegn im In- oda Auslaut
  • z tritt ois stimmhofte Variantn vo s in manchn Dialektn af, v. a. intervokalisch; owa nia im Olaut, wias im Bühnendeitschn da Foi is
  • Einige Mundortn, vor oim im Siidboarischn, kenna de bei da Zwoatn Lautverschiebung entstandanan Affrikata kx.

Obwoi de Fortis-Vaschlusslaute p und t mit ian Lenis-Pendants b und d im Olaut zammagfoin san, kenna se ned ois zwoa Allophone jeweis vo an Phonem gejtn, wei si in gwissn Positiona bedeitungsuntascheidend san. Nur im Olaut kenna si ois Variantn ogseng wian, vo dena wo de Aussproch vom nochfoigandn Laut obhängt (schaug dazua weida untn iwan Glottisschlag).

Plosive oda Vaschlusslaute

In da boarischn Sproch san de fortis- und lenis-Vaschlusslaute p, t, k und b, d, g im Olaut und zwischn Vokalen moastns zammagfoin und weadn daher ned weida untaschiedn. Deshoib ko im Boarischn da Dog oda da Tog, as Greiz oda as Kreiz, und de da Bädasui oda da Pedasui gschriem wean und deshoib foin Werta wia dringa (dringen) und dringa (trinka) zamma. Als oanziga fortis-Laut ist k- am Wortofang dahoidn, wann eam a Vokal nochfoigt; vor r, l und n wead er ebenfois zum g lenisiat.

De Laute b, d und g wean owa am Wortofang vor s, sch, f und h fortisiat; de neien fortis-Laute hom owa koan Phonem-, sondan nur Allophon-Status, wei se nur in bestimmta Umgebung aftretn, wo eanare lenis-Variantn ned vorkema. Und daher vahoidn sa se zu dena ned bedeitungsuntascheidend. Beispui fia Fortisiarung im Boarischn:

lenisfortisstandarddeitsch
b+hiatn> phiatnbehüten
d+Hex> tHexde Hexe
g+hoitn> khoitngehalten

Frikative oda Gleitlaute

S Boarische kennt fimf Frikative; f (stimmlos) und w (stimmhoft) buidn dabei a Poar. Da Frikativ s is außa vor n imma stimmlos, oiso im Gengsotz zum Deitschn aa am Wortofang. Dazua keman de mit Buchstabmkombinationa gschriebanan Laute ch und sch, wobei ch ois Allophon [x] oda [ç] (noch -i- oda -e-) zu olautendn h [h] im In- oda Auslaut aftritt. Da Laut ch kimmt andas ois im Standarddeitschen ned noch -n- vor, daher Minga, mank, Menk vs. stdt. München, manch, Mönch.

Sonorantn

S Boarische hod s gleiche Sonorantninventar wia s Standarddeitsche, nämli de Nasallaute m, n und ng [ŋ] sowia l, r und j. S r wead in mangn Gegandn mit da Zunganspitzn geroit, in andan Gegandn mitn Gaumenzapfal (sog. uvulares r), ohne dass des vo Boarisch-Sprechan ois Fehla empfundn wead.

Glottisschlag bzw. Knacklaut

Da stimmlose glottale Plosiv (Glottisschlag) tritt wia im Standarddeitschn vorm vokalischn Olaut (duatn vapflichtend) af. Im Gengasotz dazua is des oba nur am Sotzofang oda am Ofang vo am Einschub vapflichtend: Sunstan ko ma Weata owa scho zammziagn.

Morphologie

Nominalflexion

De gsamte boarische Nominalflexion richt si am Substantiv aus. S grammatische Gschlecht (Genus) vom Haptwort bestimmt de Deklination vo da Nominalphrasn; d. h. sowoi da Artikl ois aa s Adjektiv und andare Attribute miassn in Genus, Kasus und Numerus ans Substantiv, wo se begleitn, anglicha wean.

S gibt drei Genera: maskulin, feminin und neutrum.Ois paradigmatische Kategorien gibts de Fälle (Kasus) Nominativ, Dativ und Akkusativ sowia de Numeri Singular und Plural. Adjektive käna aa gsteigat wean.

Da Artikl

Im Boarischn wean Substantive afgrund vom grammatischn Gschlecht (Genus) afteit; es Gschlecht is in da Regl ned am Substantiv erkennbor, sundan am bstimmtn Artikl:

maskulinfemininneutrumPlural
da Hundde Kotzes Diandlde Buam

Da unbstimmte Artikl is dageng fia olle drei Genera im Nominativ identisch

maskulinfemininneutrum
a Moa Fraua Kind

Da Artikl wead im Boarischn flektiat, d. h. da Kasus wead so deitli gmochd. Wei de moastn Substantive im Boarischn olle Kasusendunga valuan hom, wead da Kasus praktisch nur iwan Artikl ozoagt.

best.maskulinfemininneutrumPlural
nom:da Hundde Ruames Kindde Leid
dat:im Hundda Ruamim Kindde Leid
akk:in Hundde Ruames Kindde Leid
unbest.maskulinfemininneutrumPlural
nom:a Hunda Ruama Kindoa/oi Leid
dat:am Hunda/ana/ara/oana Ruam[3]am Kindane/oane Leid
akk:an Hunda Ruama Kindoa/oi Leid

Da unbestimmte Artikl is etymologisch duach de unbetonte Aussproch vom Zoiwort "oa" entstondn (noch oidboarischa Schreibung <ain>, gsprochn /oã/)[4]. Da unbestimmte Artikl wead z. B. ois /ə/, /ɐ/ o.ä. ausgsprochen, im Dativ z. B. /ənə/, /ɐnɐ/ o.ä. Gschriebm wead da unbestimmte Artikl in da boarischn Dialektliteratur und heitign Umschriftn, z. B. in Internetforen, haifi ois <a>, sejten aa ois <oa>, im Dativ ois <ana>, vor oim im Dat. fem. Sg. aa ois <oana>. Im Ostmiddlboarischn imma ois <a> und <ana>.

Es Substantiv

As Substantiv gheat im Boarischn zu de flektiaradn Woatoartn. Wia in andane germanische Sprochn is es Geschlecht (Genus) es markantaste Kriterium vom Haptwort.

Pluralbuidung

E Boarische hod no drei vo de urspringli via germanischn Kasus: Nominativ, Dativ und Akkusativ. De letztn zwoa foin zum Tei zamma. Da Genitiv is nur in a poar Redewendunga dahoidn. Wia im Standarddeitschn wead es boarische Substantiv nur sejtn dekliniat, sundan druckd an Kasus durch de Artikl aus. Es gibt vaschiedane Deklinationsklassn, de wo se haptsächli in da Pluralbuidung untascheidn. Ois grobe Richtlinie wead zwischn da schwochn Deklination (sog. n-Klasse) und da stoarkn Deklination (sog. a-Klasse) untaschiedn.

Schwoche Substantive

Schwoche Substantive endn fia gewähnlich af -n im Plural. Vui schwoche Feminina buidn an Singular af es Suffix -n, so dass se im Plural entweda glei hoassn oda a -a ofiagn. Bsundas de schwochn Maskulina hom im Singular a Endung fia de obliquen Kasus, d. h. fia olle Kasus aussam Nominativ. Se hom moastns a -n am End.

Zua Klassn vo de schwochn Substantive (W1) zejn Maskulina und Feminina af -n im Plural und aa olle Feminina mit da Pluralendung -an (de moastns im Singular af -ng endn; es -a- is dabei a sog. Sprossvokal bzw. epenthetisch). Driwa ausse lossa se olle Maskulina und Neutra, de wo im Singular af es Suffix -i endn, do einordna. Vui vo de vawandtn Substantive vom Hochdeitschn san duatn olladings stork, dahea da jeweis standarddeitsche Plural zum Vagleich:

W1: -nSingularPluraldeitschSingularPluraldeitschSingularPluraldeitsch
m:HosHosnHaseBuschBuschnBuschDeifiDeifinTeufel
f: -nBruggBruggnBrücke, BrückenGoassGoassnZiegeNussNussnNuss
f: -anDamDamanDameSchlangSchlanganSchlangeZeidungZeidunganZeitung
n:OarOarnOhrBleamiBleaminBlumeSchdiggiSchdigginStück

Stoarke Substantive

Bei de stoarkn Deklinationsklassn gibts koane Kasusendungan; de oanzige Vaendarung am Woat findt bei da Numerusflexion stodd, oisdann beim Wechsel vom Singular zun Plural. Es gibt dabei vaschiedene Meglichkeitn, an Plural im Boarischn z markian. Stoarke Maskulina und Neutra nutzen de Endung -a, de moast aus da middelhochdeitschen Endung -er entstandn und ois soiche im Neihochdeitschn no dahoidn is. Es gibt oba a Weata, de wo se eascht in neia Zeit in de Klase eingreiht hom, oiso an a-Plural buidn, ohne jemois an er-Plural ghobt z hom.Feminina buidn eanan Plural oft mit da Endung -an, so wias es Woat Endung sejm duat: oa Endung, zwoa Endungan.

Ma ko Substantive afgrund eanara Pluralsforman in vaschiedene Klassn eintein. De haifigstn Meglichkeitn vo da Pluralbuidung san Umlaut od Suffigiarung; boade Meglichkeitn kena aa kombiniad wean. Ois Pluralendungan tretn -n und -a af; vo Umlauten gibts foigande Variantn:

S1: Umlaut (UL)SingularPluraldeitschS2: UL + -aSingularPluraldeitsch
o > aNocht (f)NachtNacht
o/a > eDog (m)DegDogLand (n)LendaLand
o > eDochta (f)DechtaTochterLoch (n)LechaLoch
u > iFux (m)FixFuchsMund (m)MindaMund
au > aiMaus (f)MaisMausHaus (n)HaisaHaus
ua > iaBruada (m)BriadaBruderBuach (n)BiachaBuch
oi > ejFoi (m)FejFallWoid (m)WejdaWald

De do ogfiadn Beispui buidn de de Klass 1 und 2 vo de stoarkn Substantive, vo dena as Kennzeichn a Umlautplural is. De Klass (S1) hod nebmam Umlaut koa weidas Pluralkennzoachn, is oiso endungslos; ia ghean nur Maskulina und Feminina o. Oft kimmt im Plural no a Vokalkiazung dazua, beispuisweis: Hand – Händt, Stod – Städt, Wand – Wändt, Grund – Grindt.

Zua Klass S2, de wo im Umlautplural plus Endung -a (de wo moastns da deitschn Endung -er entspricht) hom, ghean oanige Maskulina und vui Neutra. Es gejten de gleichn Umlautregeln wia obm:

Zur Klasse S3 ghean olle Maskulina, Feminina und Neutra ohne Umlaut mit Pluralendung -a; dabei endn de moastn Feminina im Singular af de urspringlige Dativendung -n. Oanige Maskulina, de wo im Stamm af Vokal auslautn, hom de Endung -na:

S3: -aSingularPluraldeitschSingularPluraldeitschSingularPluraldeitsch
m:BaamBaam, BaamaBaumMo, MauMona, MaunaMannStoaStoa, StoanaStein
fAinAinaEuleParadeis(a)ParadeisaTomate
n:KindKindaKindLiachtLiachtaLichtGschäftGschäftaGeschäft

Ois letzte storke Klasse (S4) gejten Substantive mit Nullplural, zum Beispui ‚Fisch‘ (m) und ‚Schof‘ (n). In manchen Dialektn druckn de Substantive den Plural owa durch Vokalkiazung oda -längung aus, beispuisweis da Hund und de Hundt. De Klass bstäht eigentli nur aus Maskulina und Neutra; olle Feminina af -n, de wo historisch gseng zu de schwochn Substantivn ghean, kena owa aa dazuazejt wean, wei ia Plural ebenso unmarkiat is: ‚Antn – Antn‘ „Ente“. De Feminina wexln owa langsam zur Gruppe S3 und nehman im Plural de Endung -a o (vgl. obm s Beispui Ein „Eule“).

Kasusrelikt

Oanzlne schwoche Maskulina hom Kasusendunga im Dativ und Akkusativ bewoart, z. B. Voda und Bua:

best.SingularPluralbest.SingularPlural
nomda Vodate Vodannomda Buade Buam(a)
datam Vodande Vodandatam Buamde Buam(a)
akkan Vodante Vodanakkan Buamde Buam(a)

Vuifoch wead d/ iwa de Wortgrenz wegga assimiliat (Sandhi), so hoassts moastns Nom./Akk. Pl. b Vodan und b Buam(a).

Ebenso wia Voda flektian Baua, Boi, Breiss, Depp, Buasch [österr.], Frank, Franzos, Hiasch, Hos, Läw und andare mehr.Ähnli wia Bua flektian de Wärter Rob und Schwob: olle Forman außa Nominativ Singular hom an Stej vo -b an Stammauslaut -m: Rom (Robm), Schwom (Schwobm); de Pluralform Roma (Robma), Schwoma (Schwobma) san sejtn.

Exkurs: Obweichands Genus vom Standarddeitschn

As grammatische Gschlecht vo an Substantiv wead am Artikel markiat. Oft is as Gschlecht wia im Deitschn. Es gibt owa aa an Haufa Ausnahma:

standarddeitschboarischstandarddeitschboarisch
de Ascheda Oschnde Karreda Korrn
de Butterda Budan, as Budander Telleras Della/Dölla, da Dala**
das Radioda Radioder Kommentaraa: as Kommentar**
de Kartoffelda Eadopfede Schubladeda Schublodn
de Zwiebelda Zwiefede Marmeladeda Mamalad
das Virusda Virusde Schokoladeda Tschoglad
de Scherbeda Scheamde Sockeda Socka/as Segge
de Zeheda Zächade Zackeda Zaggn
de Petersilieda Pädasui/Pädasüüde Ratteda Rotz
de Schürzeda Fiada, da Schuazde Wespeda Weps
das Vaterunserda Vaddaunsade Zeckeda Zegg
der Monataa: as Monadde Heuschreckeda Heischregg
das Heude Heing (f) / as Hei (n)de Schneckeda Schnegg
der Tunnelas Tunnej/Tunnööde Spitzeda Spiez
der Sumpfde Sumpfnde Eckeas Egg
das Fettde Feddndas Maselde Masn
der/das Ketchupas Ketchup

Pronomina

Personalpronomina

Bei de Personalpronomina untascheidd s Boarische teiweis, so wia vui romanische und slawische Sprochn, zwischn betontn und unbetontn Foama im Dativ (nur 1., 2. Singular) und Akkusativ (nur 3. Singular und Plural); weidas gibts a oagnstendigs Heflichkeitspronomen in da direktn Orede, vagleichboa am deitschn „Sie“:

1.Singular2.Singular3.Singular1.Plural2.Plural3.PluralHeflichkeitspronomen
nomiduea, se/de, desmiaeß/öß / ia*seSi
unbetonti---a, -'s, -'s-ma-'s-'s-'S
datmiadiaeam, eara/iara, demuns, insenk / eich*ea, eanaEana
unbetont-ma-da
akk-mi-dieam, eara/iara, desuns, insenk / eich*ea, eanaEana
unbetont-'n, …, -'s-'sSi

* De Foama gejten ois „weniga“ boarisch, san dafia oba typisch ostfränggisch.

Bei da Kombination vo mearan unbetontn Personalpronomina, de wo af -'s verkiazt san, wead da Bindevokal -a- einegschom; bei da Reihenfoige vo da Ordnung gibts, im Gengasotz zum Deitschn, vaschiedane Variantn. Es ko aa zu Meadeitigkeit kema – a boa Beispui:

unbetont*(ausgschriem)standarddeitsch
1.a)Homs da s scho zoagt?Hom s(e) d(ia) (de)s scho zoagt?Haben sie es dir schon gezeigt?
oda:Homs d(ia) s(dia) scho zoagt?Haben sie sie dir schon gezeigt?
1.b)Homsas da scho zoagt?Hom s (de)s d(ia) scho zoagt?Haben sie es dir schon gezeigt?
oda:Homs(e) da d(ia) scho zoagt?Haben sie sie dir schon gezeigt?
2.a)Hod a ma n no ned gem?Hod (e)a m(ia) (der)n no ned gem?Hat er ihn mir noch nicht gegeben?
2.b)Hod a n ma no ned gem?*Hod (e)a d(ern) m(ia) no ned gem?Hat er ihn mir noch nicht gegeben?

Dabei ko in (1.a) und (1.b) ebmso weng wia im Deitschn untaschiedn wean, obsa si bei erra um de 3. Person Singular feminin oda um de 3. Person Plural handlt.

Possessivpronomina

a) predikativ:

maskulinfemininneutrumPlural
nommeimeimeimeine
datmeimmeinameimmeine
akkmeinmeimeimeine

b) attributiv:

maskulinfemininneutrumPlural
nommeinameinemei(n)smeine
datmeimmeinameimmeine
akkmeinmeinemei(n)smeine

Aa de Possessivpronomina deina und seina flektiaen so. S Possessivpronomen (Fem. Sg.) iara is vom Standarddeitschn iwanumma woan; urspringli vawendt s Boarische fia weibliche Bsitza ebmfois s Pronomen seina. Oft wead a s substantiviate Adjektiv da mei(nige) (da dei(nige), da sei(nige), im Plural: de meinign, de deinign …) vawendt: „Wem ghead der?“ – „Des is da mei!“

Indefinit- und Fragepronomina

So wia de Possessivpronomina flektian de Indefinitpronomina koana sowia oana; ma ko vors Letztare s Wort iagad- stejn.

Weidas gibts s Indefinitpronoma ebba, ebbs („jemand, etwas“); des is plurallos und flektiat wia foigt:

PersonSoch
nomebbaebbs
datebbamebbam
akkebbanebbs

Do wead oiso ned zwischn de Geschlechta, sundan zwischn Persona und Socha untaschiedn.

Ähnliches guit fias Fragepronomen wea, wos:

PersonSoch
nomweawos
datwemwem
akkwenwos

Adjektive

Vui vo de boarischn Adjektive hom a Kurzfoam und a Langfoam. De Kurzfoam wead in prädikativa Stellung vawendt. D. h. dann, wen s Adjektiv mitm Huifsverb sein a Prädikat buidt (de Schuah san schwoaz). De Langfoam kimmt dann vor, wann s Adjektiv ois Attribut vo am Substantiv vawendt wead (de schwoazn Schuah). Moastns liegt da Untaschied zwischn Kurz- und Langfoam im Endkonsonanten. Oft san des -n, -ch, -g.

Deklination vo de Adjektive

Wia im Deitschn wean Adjektive in attributiva Stejung flektiat, d. h. se griagn vaschiedne Endunga. Dabei muass untaschiedn wean, obs mid an Substantiv mid bstimmtn Artikl gengan (und dahea sejm in bstimmta Foam flektian), oda obs mid an unbstimmtn Artikl zamm san (und nacha dementsprechend nach an unbstimmtn Musta dekliniat wean). Wean Adjektive substantiviat vawendt, oiso nua mit Artikl, nacha richtn sa si ebnfois noch dem. Ois Beispui deant as Adjektiv schee, des wo am Stamm bei da Flexion um -n daweitad wead (aussa beim Neutrum Singular).

„schee“ unbstimmtmaskulinfemininneutrumPlural
nom:a scheena Moa scheene Fraua scheens Kindde scheena Leid
dat:am/n scheena Moana scheen Frauam scheen Kindm scheen Leid
akk:an scheena Moa scheene Fraua scheens Kindde scheena Leid
„schee“ bestimmtmaskulinfemininneutrumPlural
nom:da schee(ne) Mode schee(ne) Frauas schee(ne) Kindde schee(na) Leid
dat:(i/a)m scheena Moda scheen(a) Frauam scheen(a) Kindde scheen(a) Leid
akk:(i/a)n scheen(a) Mode scheen(e) Fraus schene Kindde scheen(a) Leid

In prädikativa Stellung dagegn wean Adjektive – wia im Deitschn – ned flektiat, sondan nur in eanara Nennfoam vawendt:

prädikativmaskulinfemininneutrumPlural
unbestimmt:a Mo is scheea Frau is scheea Kind is scheede Leid san schee
bestimmt:da Mo is scheede Frau is schee(a)s Kind is scheede Leid san schee
Steigarung vo de Adjektive

Im Boarischen deant as Suffix -a zur Buidung vom Komparativ, vo da easchtn Steigarungsform. Grundlog vom Komparativ is de obm bschriebane Langform; bei mangn Adjektivn kimts zu Umlautn, bei andan zua Vaendarung in da Vokalleng oda im konsonantischn Auslaut. Beispui:

UmlautPositivKomparativStandarddeitsch
koa Umlaut:gscheidgscheidaklug
neineiga/neichaneu
liabliawaliab
schiachschiachahässlich
hoaglihoaglichawählerisch
mit Vokalkürzung:diafdiaffatief
o > e:langlengalang
o > a:wormwormawarm
o > e:grobgrewagrob
großgressagroß
u > i:dummdimmadumm
gsundgsindagesund
jungjingajung
oa > ea:broadbreadabreit
gloagleanaklein
hoassheassaheiß
woachweachaweich
woamweamawarm (Ostmiddelbairisch)
oa > ej:koidkejdakalt
oidejdaalt
ua > ia:kuazkiazakurz

Fian Superlativ wead je nach Landschaft, a eigane Form af -st buidd oda owa aa ned. In letztan Foi wead da Komparativ ois Superlativasotz heagnumma. So ko da Sotz „Max Müller ist der größte der zwölf Knaben“ im Boarischen foigende Varianten produzian: „Vo de zwejf Buam is da Müller Max am gressan (Komparativ)/am gresstn (Superlativ)/sejtn da gresste/da gressane.“Es gibt aa a suppletive Adjektivsteigarung, oiso a Steigarung mit oam andan Wortstamm (sog. stoarke Suppletion) oda a Wortstammeaweidarung (sog. schwoche Suppletion):

SuppletionPositivKomparativSuperlativStandarddeitsch
stoak:guadbessaam bessangut
stadleisaam leisanleise
schwoch:deia (a deirigs …)deirigaam deiriganteuer

Numeralia (Zoiweata)

Boarische Zoiweata endn moastns af -e, des wo owa in attributiva Stejung oft wegfoid. De Numeralia flektian ned, Ausnohm is as Zoiwoat oans fia de Zoi 1.

Es foigt a Aflistung vo de wichtigstn Zoiweata:

1oas/oans/ans11ejf(e)/ööf21oana-/anazwanzg(e)
2zwoa/zwa12zwejf(e)/zwööf22zwoara-/zwarazwanzg(e)200zwoa-/zwahundad
3drei13dreizea/dreizen23dreiazwanzg(e)300dreihundad
4fiar(e)14fiazea/fiazen24fiarazwanzg(e)40fiazg(e)400fiahundad
5fimf(e)15fuchzea/fuchzen25fimfazwanzg(e)50fuchzg(e)500fimfhundad
6seggs(e)16sechzea/sechzen26seggsazwanzg(e)60sechzg(e)600sechshundad
7siem(e)17sibzea/sibzen27simmazwanzge70sibzg(e)/siwazg(e)700siemhundad
8ocht(e)18ochzea/ochzen28ochtazwaonzge80ochtzg(e)800ochthundad
9neine/nei19neizea/neizen29neinazwanzge90neinzg(e)900neihundad
10zeene/zeah20zwanzg(e)e/zwoanzg(e)30dreißge100hundad1000tausnd

Substantiviate Zoin san im Boarischn Maskulina, im Deitschn dagegn Feminina (Ausnohm Östareichisch Deitsch):

BoarischStandarddeitschBoarischStandarddeitsch
de Nui/da Nullade Nullda Ochtade Acht
da Oasa/Oansa/Ansade Einsda Neinade Neun
da Zwoara/Zwarade Zweida Zenade Zehn
da Dreiade Dreida Öifa/Ööfade Elf
da Viarade Vierda Zwöifa/Zwööfade Zwölf
da Fimfade Fünfda Dreizenade Dreizehn
da Sechsade Sechsda Dreißgade Dreißig
da Simma/Siemade Siebenda Hundadade Hundert

Verbn

Boarische Grammatik (Verbn)

Morphosyntax

Im Boarischn is da Iwagang vo da Wortbeigung zum Sotzbau (Sidntax) oft fliaßend, desweng kena vui Bereiche in da boarischen Grammatik vo da Morphosyntax am bestn eafosst wean.

Prepositiona

Prepositiona kena im Boarischn wia im Deitschn mit am bestimmtn Artikl zu am Woat vaschmejzn (vgl. dt. bei dem = beim, an dem = am, unter den = untern usw.). Im Boarisch wead des vui efta ogwendt. Dazua a Iwasicht:

PrepositionDat. Sg. m./n. (-m)Dat. Sg. f. (-da)Dat. Pl. (-di)Akk. Sg. m. (-n)Akk. Sg. f., Akk. Pl. (-d)Akk. Sg. n. (-s)Standarddeitsch
oamondaondioondons, asan
afafmafdaafdiafnafdafsauf
fua, fia, foa/forfuam, fiam, foamfiada, foadafiadi, foadifuan, fian, foanfiad, foadfuas, fias, foasvor
hintahintamhintadahintadihintanhintadhintashinter
in, aiminda, adaindi, adiin, anind, adins, asin
iwaiwamiwadaiwadiiwaniwadiwasüber
untauntamuntadauntadiuntanuntaduntasunter
nema, newa, nebmnemam, newamnemada, newadanemadi, newadineman, newannemad, newadnemas, newasneben
bei, babeim, bambeidabeidi---------bei
wenga, wegawengam, wegamwengada, wegadawengadi, wegadi---------wegen
zu, za, zuazum, zunzudazudi---------zu
fia---------fianfiadfiasfür
genga, gega---------gengan, gegangengad, gegadgengas, gegasgegen
um---------ummanumdumsum

Wei Prepositiona de Betonung af s nochfoigande Sotzelement lenka, kena eahna nua betonte, obwa nia unbetonte Peasonalpronomina foign.

Da Brauch vo Prepositiona

Im Boarischn wean fia Ortschaftn und Städt eascht seitm Eifluss ausm Hochdeitschn aa "nach" und "in" braucht. Traditionej sogt ma im Boarischn owa a oda af/auf (= nach) und z (= in). Ma foaht oisdann af Augschburg oda bleibt z Minga.

Bei Feiatog findt se je noch Region entweda ebmfois as z: z Ostan, z Weihnachtn; oda af: af Ostan, af Weihnachtn; oda untam Eifluss vo da Standardsproch an. Im Boarischn sogt ma soichane Weata owa nia nid ohne Prepositiona zua Zeitogob.

Konjunktiona

A regionale Besonderheit is de temporale Konjunktion aft, de wo in großn Toaln vom boarischn Sprochgebiet vawendt wiad. Etymologisch gseng entspricht des am englischn after und hoasst „nacha, danoch“.

Präpositionslose Lokalkoderung

In de siidboarischn Dialekte tretn präpositionslose Orts- und Richtungsogobm (Adverbialien) af. Ma gähd oisdann ned in de Kira oda afn Moakt, sundan ma gähd Kira/Moakt, ohne a Präposition z vawendn. De Lokalbedeitung wiad duachs Ausbleibm vom Artikl markiat, dea wo sont bei jedm Substantiv obligatorisch is. Weidane Beispui: i wohn Augschburg, i wor Schui, ea gähd easchte Klass Schui (vgl. aa lat. Romae in Rom, Romam nach Rom; Hindi Dillî calnâ af Delhi foahn, stott Dillî ko calnâ).

Orts- und Richtungsadverbialien

S Boarische hod a komplexes System vo Richtungsadverbialien, de wo oan Bezug zua Perspektivn vom Sprecha nehma. Wia im Deitschn muass, je noch dem, ob de Bewegung vom Sprecha weg oda zum Sprecha hi voizong wiad, a ensprechends Affix ogfiagt wean (im Weanarischn san de zwoa Affixe zammagfoin, s wead do oisdann koa Untaschied mea gmocht). Im Deitschn wean de Affixe ois Präfixe (hin- bzw. her-) vawendt, oisa am Adverb vorogstejt. Im Boarischn wean de Affixe ois Suffixe eigsetzt, d. h. am Adverb hinten ogfiagt; s Suffix -hin wead zu -i, regional -e obgschwächt, s Suffix -her zu -a.

A vagleichende Iwasicht:

Präpositionvom Sprecha (-i)Standarddeitsch (hin-)zum Sprecha (-a)Standarddeitsch (her-)
o, obowihinab, hinunterowaherab, herunter
o, ononi*hinananaheran
auf/afauffi/affihinaufauffa/affaherauf
ausaussihinausaussaheraus
do-donihintan (zur Seite)dona*hertan (vo der Seite weg)
durchduachihindurchduacha [selten]*herdurch
fiafiari(nach vorne)fiarahervor
hintahintari/hinddre(nach hinten)hintara/hinddra(nach hinten)
zuazuari/zu(a)wihinzuzuara/zu(a)wa(herbei)
umummihinüberummaherüber

De Iwasicht zoagt de Richtungsadverbien, wias worscheinli im gonzn boarischn Raum iblich gwen san. Im westlichn Obabayern gengan de Formen scho längere Zeit ollawei mehra zruck und ma verwendt Formen de näha on da Hochsproch und näha am Schwäbischn san. Es is dort oiso im easchtn Schritt "auffi, auffa", "obi, oba", "eini, eina", "ummi, umma" durch "nauf, rauf", "no, ro", "nei, rei", "num, rum" ersetzt worn. Wei se "no, ro" und "num", "rum" aa net so hochsprochli ohearn, wead des haintztog aa oft mit "nunta, runta" und "niba/nüba, riba/riwa/rüba" ersetzt. Es gibt an broatn Stroafa wo ma "nauf, rauf"... und "auffi/auffar" … nebmanand verwendt. Im Sidwestn vo Oberbayern hom se de Richtungsadverbien mit da Nochsuibm "i" und "a/ar/r" bessar hoitn kenna wia im Nordwestn vo Obabayern.

Klitisiarung vo Personalpronomina im Boarischn

Im Boarischn hods an Prozess gebm, dea wo in da Sprochwissnschoft Klitisiarung hoasst. Wos Boarische betrifft, so is damit s Drohenga vo Personalpronomina ans konjugiate Verb gmoant. Aus mia wiad -ma, aus dia wiad -da, se wiad zu -s usw. Vo da Obschwechung is nacha aa nua mea a kloana Schritt zua Kontraktion vom Verb mitm Personalpronom.

betonts Subjektunbetonts Subjekt
redn mia?redn ma? > redma?

De Klitisiarung is a da Grund, weshoib s Pronoma vo da 1. Person Plural im Boarischn af m- olautet. De middlhochdeitsche Verb-Endung -n und da Olaut vom Persoanalpronom wir san zum m vaschmoizn (ebenso im Schwäbischn). m is dann vom Sprecha nimma länga ois Verb-Endung ogseng worn, sondan ois Olaut vom Personalpronom. Des Phänomen tritt oba ned nua in da 1. Person Plural im Nominativ af, a andane Persona wean klitisiat. Dazua a poa Beispui:

UrformKlitisiat
I mog sie.I mog-s.
Dann heat ea sie.Dann heat-a-s.
Dann gibt ea es mia.Dann gibt-a-ma-s.

Omeakung: De klitisiatn Personalpronoma san durch Bindestriche trennt.

Im easchtn Beispui weads direkte Objekt (Akkusativobjekt) klitisiat, wearend im zwoatn Subjekt und Akkusativobjekt ons Verb ogfiagt wean. Im drittn Beispui gengan sogoa Subjekt, Akkusativ- und Dativobjekt a Vabindung mitm Verb ein.

Oba ned nua de Verbn kenna ois Element gnutzt wean, an de wo de obgschächtn Personalpronomina ogfiagt wean. Des is aa bei Nebmsotzeinleitan mäglich. So hoassts zan Beispui:

HochdeitschBoarisch
Ob sie geht?Ob-s geht?
Weil sie ihn mag.Wei-s-n mog.
Dass er ihn dir gibt.Dass-a-da-n gibt.

Wen a Personalpronoma klitisiat worn is, dann deaf de Voifoam davo nimma im gleichn Sotz vorkema: Se schloft oda Schloft-s? owa nia ned Se schloft-s, des warad ungrammatisch.

A Sondafoi und a Ausnohm za dem buidd de Nominativ-Form vo da 2. Person Singular und in an grossn Tei vom Boarischn aa de 2. Person Plural[5], sowia ia a poa Regiona aa de 1. Person Plural[6]. Do liegt nacha ned nua a Klitisiarung vor, sondan de ehemolign Klitika hom scho an Status vo ana Flexionsendung.

Das du vo da 2. Person Singular is scho im Oidhochdeitschn duach inverse Sotzstellung an de urspringliche Endung -s ogfiagt worn, de wo de heite aa standardsprochliche Endung -st eagem hod.[7]

normala Sotzbau (ahd.)inversa Sotzbau (ahd.)Ibasetzung
du nimis (> du nimist)nimis du > nimist duDu nimmst.

Sintax

Stejung vo de Weata

In de foigadn Konstruktiona untascheidd se de Woatstejung vo da Standardsproch:

  • s direkte Objekt foigt afs indirekte, zan Beispui sog mas;
  • nochgstejte Adjektive (ba Betonung, zan Beispui Hund, vareckda!; da Mo, da oide);
  • Initialstejung vo Verbn (Emphase oda Antwort, zum Beispui kumm i glei ois Antwoat af wann kummstn z uns);
  • Perfekt vo Modalverbn (nua im Basilekt, zum Beispui er hod miassn afstej).

Regional kena aa andane Obweichunga fiakema.

Verbrektion

Manche Verbn vom Boarischn erfordan a andane Rektion wia im Standarddeitschn, z. B. diaschtn („duastig sei“), drama („träumen“) und rein („bereuen“). Se wean mitm logischn Subjektiv im Dativ oda Akkusativ gnuzd (sog. Quirky Case). A formals Subjekt ist efta ned voahandn.

mi diaschtich habe Durst (mich dürstet)
dia dramt schlechtdu träumst schlecht (dir träumt)
des reid eamdas bereut er (das reut ihn)

Predikative Attribute

Im Boarischn wean, andas wiar im Standarddeitschn, Adjektive in attributiva Stejung markiat; dazu deant s invariable Suffix -a bzw. -e; s handelt se dobei um erstoarte Nom. Sg.-Forman (maskulin bzw. feminin). Soichane Attribute kenna af Subjekt wia aa Objekt bezogn sei. Beispui:

Des schmeggt koida bessa. – Das schmeckt kalt besser.
Fost hedns eam lebanda eigrom. – Fast hätten sie ihn lebendig eingegraben.

Ersotzforma

Im Dialekt wean gwisse Infinitivkonstruktiona (Subjekts- und Objektssetz, AcI) vamiadn und duach Nebmsetz mit an finitn Verb easetzt, zan Beispui:

  • schwaa is scho, dass ma heit a Orbat findd ('es ist schwer, heute Arbeit zu finden')
  • i bins ned gwohnt, dass i friah aufsteh ('ich bin es nicht gewöhnt, früh aufzustehen')

Af ehnliche Oat wean aa attributive Partizipialphrasn vamiadn, zan Beispui:

  • de Kinda, de wo laffa (de laffandn Kinda)

Eingschrenkt wean Partizipien adverbiell vawendd, zan Beispui:

  • sitznda bin i eingschlofm

Vanaanung

Im Boarischn kimmt da doppetn Vanaanung a grosse Bedeitung zua.

Beispui: In da Stod huift koana neamd neda.

Im Boarischn ko a Sotz amoi oda meamois vaneint wean, da Sinn bleibt in da Regl da gleiche.

Foigande Weata wean zua Vanaanung vawendd:

boarischstandarddeitschVawendung
ned, nedanichtoigmoans Vanaanungswort
nianie(mals)Vanaanung ba Zeitogobm
nimma, neamanicht mehr, nicht: *nimmerdruckt a Vaendarung aus
nix, nixenichtsVanaanung ba Sochan
niangdwo, niagadwonirgendwoVanaanung ba Ortsogobm
niagads, nindaschdnirgendsVanaanung ba Ortsogobm
koa [flektiat]keinVanaanung vo Substantivn
koana (nur im Nom.!)keinerVanaanung vo Persona
neamad(s), neamde, neamdniemandVanaanung vo Personal
(Dat. neamdm*, Akk. neamdn*)

* neamdm und neamdn san vo da Aussproch hea ned zan Untascheidn.

Ausfoi vom 'es' in unpersenlichn Sätzn

S formale Subjekt es wiad efta elidiat, z. B. er is da gresste Depp, wo gibt.

Lexik

A kloana Ibablick iba de wichtigstn Wortfejda und Meglichkeitn vo da Wortbuidung:

Gruassforma

Griassn und Oredn ghean zu de Grundlogn vo jeda Spoch, de ma lerna wui:

BoarischVawendungStandarddeitschWort fia Wort
servus!/seavas!fam.; Begriaßung/Vaobschiedunghallo/grüß Dich„servus!“
(hawe-)dere!fam. bis intim; Begriaßung/Vaobschiedung; vaoidat: formal; Begriaßungkeine„I hob de Ehre!“
griass de (God)!fam.; Begriaßunggrüß dich!„Da Herrgod segne di!“
griass enk/eich (God)!fam.; Gruassgrüß euch!„Da Herrgod segne Enk!“
griass Eana (God)!formal; Gruassguten Dog!„Da Herrgod segne Eana!“
griaß God!formal; Gruassguten Dog!„Da Herrgod segne Eana!“
pfiaddi (God)!familiär; Vaobschiedungauf Wiedersehen!„Da Herrgod behiat di!“
pfiat enk/eich (God)!familiär; Vaobschiedungauf Wiedersehen!„Da Herrgod behiat enk!“
pfiat Eana (God)!formal; Vaobschiedungauf Wiedersehen!„Da Herrgod behiat Eana!“
pfia God!formal; Vaobschiedungauf Wiedersehen!„Da Herrgod behiat Eana!“
(af) Widaschaung!formal; Vaobschiedungauf Wiedersehen!„Da Herrgod behiat Eana!“
ba-ba! – mit Betonung af da 2. Suimherzlich-fam.; Vaobschiedungauf Wiedersehen!vgl. engl. bye-bye!
gua(d/dn) Morng! Moang!formal; Fruahstucksgruassguten Morgen!dto.
Moang!/Moing /Morgn!fam.; Fruahstucksgruaß(guten) Morgen!dto.
guadn Obnd! Obnd!formal; Omdgruaßguten Abend!dto.
guade Nocht/guad’ Nacht!fam. und formal; Vaobschiedung zua Nachtgute Nachtdto.
guad enk/eich Nocht!fam.; Vaobschiedung zua Nochtgute Nacht!„winsch enk a guade Nocht!“
an Guadn!fam. und formal; Moizeitgruassguten Appetit!„an guadn Appetit!“
Moizeid!fam. und formal, Moizeitgruaß, Gruaß z Mittog (Ö)Mahlzeit!„a guade Moizeit!“

Spezifisches Vokabular

Um dena regionaln Untaschiedn grecht zum wean, wean mange Wäate gsondat kennzeichnet:
A Österreichischa Wortschotz
B Oidbayrischa Wortschotz
H Burgnländischa Wortschotz (Heanzisch)
K Karntna Wortschotz
S Steirischa Wortschotz
T Tirola Wortschotz
W Weana Wortschotz

Substantive

Beruaf

Fleischa (Metzger), Tischla (Schreiner), Spangla (Klempner), Bäck (Bäcker), Zeidla (Imker), Hafna (Töpfa), Sandla (W; Obdachlosa), Striezi (W; Zuahejta)

Ausdrucksstoark

S Boarische hod oft a Vuizoi vo ausdrucksstoarkn Begriff fia a Soch. Fia Mund gibts zum Beispui Mai (ugs.), Goschn (frech) oda Goschal (liabevoi), Babbn (frech), Lätschn (obweatend) oda Fotzn (beleidigend).

Gwand

A fias Gwand gibts an Hafa typisch boarische Ausdrick: Gwand sejm,Joppn („Jackn“), Pfoidl oda Pfoadl (fia Hemad), Diandl z. B.

Viecha

Fia d Viecha gibt aa an bsondan boarischn Woatschotz, z. B. Giggal (Hahn), Bibbal oda Ziwarl (kloans Hendl), Heiß(al) (jungs Pferd, Foihn), Goaß, Hebbal (junge Goaß), For(n) (Jungstia, Stiakaibe), Böichn (ahd. belihha; Blässhendl), da Imp oda de Impn (Biene), Oachkatzl, Brotz (lat. Loanwoat, Grod), Hotz (Eichlhäha) usw.

Zum boarischn Vokabulaa im Bereich vo de Lebmsmiddl schaug: Austro-Boarischa Kuchlwoatschotz.

Verben

BoarischStandarddeitschBoarischStandarddeitsch
si owiduansich grämenkeankehren, fegen
odlnjauchen (düngen mit Jauche)kewin, kebblnkebbeln, keifen
leitn (stV: glittn)schellen, läuten
loanalehnen
odaunanstoßenloatnlenken, steuern
oglangaanfassen, berührenlusnhorchen, zuhören
ozipfnanerven, belästigenluangschauen, spähen
babbaklebenmeaminmeckern, murren
si baaznsich aalenmosannörgeln, meckern
banrösten [Brot]mugazn Wleise/heimlich schimpfen
batznkleckernpaprizian Amit Paprika wiazen
baunpflügenpfigazn Wpfeifen
beaschnraufenpfugazn Wkichern
benznflehen; scheltenpressianeilen
bieslnpinkelnratschnschwätzen, plaudern
biggaklebenraunznnörgeln, jammern
blanga + Akk + afgelüsten + Akk + nachreanweinen, heulen
rechaharken
bejffanausscheltenroasnreisen
broggapflückensandlnherumlungern, nichts tun
brunznpissensabln, sawinrennen
daboggaaushalten, verkraftenschaffa + Datanordnen, befehlen
schaun(g)kucken
daduanumbringenscheimschieben, stoßen, kegeln
daugngefallen, wohltunschepfn Aarbeiten
dachinklauenschiagln, schiangschielen; petzen, flunkern
deftnniedermachen, demütigenpariangehorchen
dinkn + Akkscheinen + Datschliaffa (stV: gschloffa)wetzen, schleichen
draandrehenschloaffaschleppen
dratznärgern, belästigenschmatznreden, plaudern
dreim (stV: driem)tun, machenschmutznlächeln
drenznweinenschnaufaatmen
driggintrocknenschnaxln Bvögeln
si dumminsich beeilenschneim (stV: gschniem)schneien
si eiweimberlnsich einschmeichelnschnoatnschnippeln, kleinschneiden
eiwoaggaeinweichenschoasnfurzen
faschian Adurch den Fleischwolf drehenschupfasanft werfen, schubsen
feanznverspotten, verhöhnensekkian Anerven, belästigen
feinfaulen, verrottensempannörgeln, klagen
fexnerntensiadn (stV: gsottn)brühen, kochen [Kaffee]
fechtlnbettelnsoachapissen
(si) fejnfehlen, falschlaufensejcharäuchern
fieslnabnagensponabegreifen
flaadan Aklauenspeachn Sspähen
si frettnsich abmühenspeanzlnliabäugeln, flirten
friasn, froisnfrierenspeim (stV: gspiem)kotzen
fuxnklauen; nicht glattgehenspraglnspalten
geinloben, prahlenstässn (swV: gstèsst)stoßen
si gfreinsich freuenstiggareizen, interessieren
gleschnOhrfeige verpassenstraanstreuen
gletzlnschaben, kratzenstrawanznvagabunderen
gliam, gloim (stV: glom)spalten, hacken [Holz]stroaffa (stV: gstroffa)streifen
gneißnbemerken; begreifensudan Ameckern, jammern
gnotznlungern, lümmeln; tief schlafentachinian Afaulenzen; blaumachen, schwänzn
grainkratzentschentschnmeckern, nörgeln
grosnjätenurassnverschwenden, –geuden
grattlnumständlich herumtunwachin, wachlnflattern; fächeln
grawinschimmelnwatschnohrfeigen
graxlnkletternweiznspuken
griangbekommenwoingwalzen
gugazn Whusten, hüstelnwualnwimmeln
hackln Aarbeitenzaanzehren; zerren
hatschnhinken; trottenzaxlnziehen, zerren
hudlnhasten, hetzenzumpandrängeln
hupfaspringenzuzlnsaugen
hunznärgern, nervenzwiggakneifen; Fahrschein entwerten

Adjektive

Des produktivste Suffix zua Buidung vo Adjektiven is -ad; des gehd entweda afs Suffix -ert zruck, oda afs Suffix -end, dees wo eigentli zur Buidung vom Partizip Präsens vawendt wiad (boade Suffixe san im Boarischen lautli zammagfoin).

Stammendunga in Klamman (moast -g oda -ch) wean im traditionejn Boarisch nur gsogt, wens Adjektiv flektiat wead und daduach a vokalische Endung dahoit. Es gibt owa aa regionale und lokale Ausnohma.

BoarischStandarddeitschBoarischStandarddeitsch
ogfressnbeleidigtgschlampadunordentlich
operschneefreigschleggadschleimig [bei Personen]
ausgschamtunverschämtgschmeidi(g) Atoll
ausgstochawählerischgschmoaßnschlank
bobbadklebriggschnobbadfrech, schnippisch
bocha Akitschig; schwulgschodadunfrisiad, zerzaust
bompadunwirsch, schroffgsejchtgeräuchert
botschadtollpatschiggspassi(g)lustig
biggadklebriggstingadstinkend
bloddadglatzköpfiggsdumpadsdumpf, sdummlig
aufbladaufgedunsen; dickgumpadunruhig, nervös
bloßhaxadbarfüßiggwampadbauchig, beleibt
bumbalgsundkerngesundhai, halglatt [bei Eis]
dammischverwirrt, benommenhaudi(g)erschöpft
dantschi(g)niedlich, liabreizendhanti(g)bitter [bei Kaffee]
dearisch Ataub, schwerhörighatschadschwerfällig
debbaddämlichhieni(g)(hie)kaputt; tot [ugs]
doarad Btaub, schwerhörighintafotzi(g)hinterhältig
doiggadtäppischhoagladwählerisch
hoibschoari(g)halbherzig
dramhabbadverschlafenkommodtbequem
dreggadschmutzigleiwand Wherrlich, großartig
drenzadweinerlichlenweich
drutschadeinfältig, neivlätschadlasch, schlaff
dusi(g)desig, nebligliabsympathisch, nett
entrischfremd, seltsamlindungesalzen; vo weicher bis flüssiger Konsistenz
fabandltliiadmoabmürbe
fakuid, faköiderkältetnarrischverrückt
fadlangweilignei(g), nei(ch)neu
feschhübschneidi(g)neidisch oda geizig
gachjähpfanzi(g) Banmutig
gamsi(g)lüsternpfundi(g) Btoll
gampri(g)lüsternrassscharf; unfreundlich
gfleggadfleckigreschknusprig; sauer [bei Wein]
ghoazt/ghazt Aschwulrogladzappelig, nervös
glumpadunbrauchbar, nutzlosruachadraffgierig
gnatschi(g)niedergeschlagensamftsacht
goschadvorlautschiachhässlich
graubbadunansehnlichschleißi(g)schäbig; nachlässig
granti(g)übellaunig; wütendsekkant Anervig
greisli(ch)/greisligscheußlichsiari(g)geizig
griabi(g) Bangenehmsoichunrein, trübe
grindi(g)eklig, ekelhaftstadleise, still
großkopfadarrogant(g)woggladwackelig
großgoschadgroßmäuligwepsadunruhig, zappelig, hyperaktiv
gschammi(g)schüchtern, verschämtwualadaufgeregt
gscheadfieszachzäh, schwierig
gscheggadscheckigziagadzähflüssig
gscheidklugzimpfti(g)gemütlich
gschiagladschielend; verlogenzwiedaunsympathisch

Adverbien

BoarischStandarddeitschBoarischStandarddeitsch
af d’Nochtabendsetz / iatz(ad)jetzt
agrat Bausgerechnetin da Fruamorgens
bei da Nochtnachtsiwahapsüberhaupt
oreidighässlich, ekelhaftlei T Knur
bloß, nua, neta OÖ, agleinurleichtetwa [Frogadverb]
dauhieroim Timmer
eh, ähohnehin; sicheroiweiimmer
fertletztes Joarpfeigrodunmittelbar, genau
feiBetonungspartiklpfentrasch
gachplötzlich, unerwartetpomali Wlangsam
grodnur; soebensauwaziemlich
gscheidtüchtig, ziemlichsaggrischverdammt
gschwindraschsejtnselten; bemerkenswert
heiaheuer, des Joarumbandiaußerordentlich
haiteben, wohlzmoastmeistens

Uhrzeit

12:15 – Viadl noch zwejfe (sejtana: Viadl iwa zwejfe); weanarisch, nordobaboarisch : Viadl aans

12:30 – hoibe/a oans

12:45 – Dreiviadl oans/Viadl vor oans, sejten: Viadl af oans

Bei voin Stundn, ob viar kimmt imma no a -e dazua:

16:00 – viare

16:30 – hoibe fimfe

Wia im engl. Sprochraum wead in Bayern des 12 h Format vawendd:

14:30 – hoibe drei (am Nammidog)

De boarische Wocha

De boarischn Wochadogsnama, de wo vom Standarddeitschn etymologisch obweicha (oiso da Deansdog und da Dunnasdog), stamma ausn Einflussbereich vo da Gotischn Sproch.

BoarischStandarddeitschOmerkung
Monda / Manda /Maunda /Mauda /MondogMontagDog vom Mond
Iada / Deansdog / Diensdog / ErgedogDienstagDeansdog is da Dog vom God Tius, Ergedog is da Dog vom Ares
Migga / Middwoch / MichaMittwochoft effiziente Vakiazung vom Standarddeitschn
Pfinzda / Dunnasdog / PfinzdogDonnerstaga Obleitung vom griach. pente „fimf“, oiso da 5. vo da Wochn (da Sunnda is da easchte Dog, vgl. Pfingstn)
Freida / FreidogFreitagvo da germanischn Gettin Freyja
Samsda / SamsdogSamstagausm Hebräischn (vgl. Sabbat)
Sunda / SunndogSonntagDog vo da Sunn

Fir Details schaug: De boarische Wocha

Nama

Schaug: Boarische Vornama

Wortbuidung

Verbale Prefixe

Es gibt zwoa aa im Standarddeitschn verbale Prefixe, im Boarischn san de owa vui produktiva.

da-

da- (< der-) entspricht am standarddeitschn er-, kimmt owa a mit Verben voa, de wo im Hochdeitsch des Präfix ned hom kena.

Beispui:

  • dabogga (< der+packen) „schaffen; aushalten, verkraften“
  • si dabarma (< der+barmen) „sich erbarmen“ (gebreichlicha ois im Hdt.)
  • daduan (< der+tun) „umbringen“ (scheazhoft)
  • daseng (< der+sehen) „(gerade noch) sehen können“
  • (si) darenna (< der+rennen) „rennend (gerade noch) erreichen“; [refl.] „sich totfahren“, oda gar den hat's darennt (es, quasi das Schicksal)
  • si dasoffa (< der+saufen) „sich tottrinken“
  • daziang (< der+ziehen) „(gerade noch) ziehen können“
zamm-

zamm (zamma) [com-] entspricht am Standarddeitschn zusammen-, es wead no haifiga vawendt ois dees.

Beispui:

  • zammbringa „schaffen“
  • zammkema „fertigweaden“
  • zammfoan „niederführen; zu Schrott fahren“
  • zammdrahn „anstellen“
  • zammhaun „zerschlagen“
  • zammklaum „aufklauben“
  • si zsammsaffa „austrinken“ („safts enk zamm“)

Da Diminutiv

S Boarische hod regional vaschiedane Diminutivsuffixe, vo dena -l, -e und -al (< -erl) de haifgstn san. Des -l is sogoa stoark lexikalisiat, d. h. s wiad oft gor nimma ois Diminutiv vastandn.

Beispui
  • Roß, Heiss oda Pfeadl (Pfeadl wead nimma ois Diminutiv ogseng). Wann ma vo oan kloan Pfeadl redn wui, braucht ma s Suffix -al: oiso a Ressal/Heissal/Pfeadal. Da Diminutiv Rässl zu Roß wiad moast nua no fia d Figua vom Springa im Schachspui vawendt.
  • „Haus“ hat zwei verschiedene Diminutivformen: Haisl, mit dem wo aa da Aboat gmoant sei ko („as Scheißhaisl“); Haisal ist dageng a kloans Haus.

As Suffix -al ko oba aa sei Diminutivfunktion eibiassn:

  • a Sachal is koa kloane Sach, sondan a kloans Owesn.
  • a Platzal is wia im Standarddeitsch (Plätzchen) a Keks, oba koa kloana Platz (do sogt ma im Boarischn Platzl).
  • a Drimmal is a Hundsdreeg.

Mange Diminutivforma, de wo af -al endn, dretn aa ois Endung -e af:

  • a Bank – a Bangal oda a Bange
  • a Kuacha – a Kiachal oda a Kiache

Wann da Wortstamm af -n oda af Nasalvokal endet, wiad a epenthetischs -d- voas Diminutivsuffix eigschobm; dabei wiad a nasaliats -n restituiat:

  • a Pfann – a Pfandl
  • a Stoa – a Stoandl/Stoandal
  • a Mo – a Mandal (a Mandal is owa in da Regl koa kloana Mo, sondan beziagt se in da Regl afs Gschlecht vo an Viech)

Lexikalisiate Diminutive mit unproduktivn Umlaut:

  • a Hefn – a Hafal
  • a Mensch – a Manschgal
  • a Stempn – a Stampal

Diminutive vo Fremdwäatan af vokalischn Auslaut duan den zum Toal tuign:

  • a Auto – a Autal

Vui vo de Diminutive ohne a Grundwort beziang se oft af Meschn, deo wo oan af irenoa Oat load doa. Desweng san des owa aa koane Schimpfwäata:

  • a Woasal/Wasal (a oama Mensch, vialleicht vo "Waise")
  • a Botschal (a unbehoifana, ungschickta Mensch)

Es gibt no weidane Diminutive, wo de Grundwäata ned bekannt san oda ned existian:

  • a Biwal/Bibbal (a Kükn)
  • a Noagal (a Getränkerest, woahscheinli vo "zua Noag/Neige geh")

Im Berchtesgoana Land, Cheamgau, Toaln vom Soizburga Land, Soizkammaguad und vom Bayrischn Oberland sowia aa im Tirola Untaland und im steirischn Tauerngebiet is des Diminutivsuffix moast ned -(a)l, sondern -ei. Da Hiasl wiad dann zum Hiasei. Andane Beispui: Dirnei fia Madl, Hansei fia Hansl usw.

Schau aa

Beleg

  1. 1,0 1,1 Ludwig Zehetner: Das bairische Dialektbuch. Verlag C. H. Beck, Minga 1985, ISBN 3-406-30562-8, S. 16
  2. Mhd. Wortmaterial aus:
    Lexer, Matthias: Middlhochdeutsches Taschenwörterbuch. Mit Nachträgen vo Ulrich Pretzel.
    S. Hirzel Verlag, Stuttgart, 1992, 38. Auflog.
  3. Belege fia <oana> in da boarischn Literatur (bei Google gibts zudem zoireiche Treffa in Foren u.ä.):Stelzhamer-Bund, 2. Preis, "Auftaut" von Stella Felder (Memento des Originals [1] vom 15. Meaz 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stelzhamerbund.at / Die Probefrau, Bayerischer Schwank, in 3 Akten, für 3 Damen und 3 Herren, von Erwin Guffler und Jürgen Gode
  4. Sprachgeschichte. Ein Handbuch der deutschen Sprache und ihrer Erforschung: Sprachgeschichte. 2 Bände, Halbband 2: 2. Teilband vo Werner Besch, Anne Betten und Oskar Reichmann. Gruyter, 2000. S. 1339
  5. Vagleich dazua:
    Peter Wiesinger: Die Flexionsmorphologie des Verbums im Bairischen.
    Verlag der österr. Akademie der Wissenschaften, Wean, 1989; S. 39–44
  6. Vagleich dazua:
    Peter Wiesinger: Die Flexionsmorphologie des Verbums im Bairischen.
    Verlag der österr. Akademie der Wissenschaften, Wean, 1989; S. 36–39
  7. Vagleich dazua:
    Wilhelm Braune / Ingo Reiffenstein (Bearb.): Althochdeutsche Grammatik I. Laut- und Formenlehre.
    Max Niemeyer Verlag, Tübingen, 2004, 15. Auflog; § 306b S. 261

Biacha

  • Ludwig Merkle: Bairische Grammatik, Allitera Valog, Minga, 2005. ISBN 3-86520-078-8
  • Herbert Leopold Kufner: Strukturelle Grammatik der Münchner Stadtmundart. Minga 1961.
  • Robert Hinderling Christopher, J. Wickham :(Phonei) Diendorf, Kreis Nabburg (Oberpfalz) / Zinzenzell, Kreis Bogen, Max Niemeyer Verlag, Tübingen (1987), ISBN 978-3-484-23134-4 (365 Seiten + 6 Audiokassetten insbs. auch zur Betonung und Aussprache im nordmittelbairischen Sprachraum)
  • Otto Hietsch: Wörterbuch Bairisch-Englisch, Von Apfelbutzen bis Zwickerbusserl, SüdOst Verlag, Regenstauf 2015. ISBN 978-3-86646-307-3

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